A. Lange & Söhne – die Lange 1

Die Geschichte der Marke A. Lange & Söhne wurde seit je her geprägt von Innovation, höchster Qualität und der daraus resultierenden Faszination. Und das war schon zu Zeiten der Taschenuhren so. Umso größer war die Herausforderung, als im Jahr 1994 Walter Lange, Hartmut Knothe und Günter Blümlein die Marke neu aufstellten und sich Gedanken machen mussten, mit welchen Uhren kann man der Marke A. Lange & Söhne wieder ein Gesicht geben. Ich habe den Neustart seinerzeit in Dresden mit erlebt und kann mich noch gut an meine ersten Eindrücke damals erinnern.

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Wenn man nun eine alt-ehrwürdige Uhrenmarke wiederbelebt dann stellt sich die Frage, mit welchem Modell tut man das? Ein solches Modell wird die Marke und ihr Gesicht prägen. Und von so einem Modell hängt der Erfolg maßgeblich ab.

Die ersten, im Oktober 1994 präsentierten Modelle waren die Lange 1, die Saxonia, die Arkade und, als vorläufigem Höhepunkt der Langeschen Kollektion, das Tourbillon Pour le Mérite.   Das Kaliber L901.0 war das erste Kaliber der Neuzeit (die 90 steht für das Jahr des Entwicklungsbeginns des Kalibers und die 1 für die Version des Werkes; Varianten eines Lange-Werkes werden mit der Zahl nach dem Punkt bezeichnet) und es ermöglichte die erste Anzeige eines Großdatums in einer Armbanduhr. Gleichzeitig ist das Großdatum eines der typischen Erkennungsmerkmale einer Lange-Uhr der Neuzeit.

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Andere Erkennungsmerkmale der Lange-Uhren ist z.B. die Dreiviertelplatine aus Neusilber, das typische Design z.B. einer Zeitwerk und die ungebrochene Innovationsfreude (siehe auch meinen Artikel über das Tourbillon von Lange) wie auch die verschraubten Goldchatons oder die Schraubenunruh.

Das Kaliber L 901.0 der Lange 1 und Kleinen Lange 1:

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Die Vorderansicht eines Werkes der Lange 1 , hier der Timezone:

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Vergleicht man das Kaliber L901.0 mit einem sehr alten Lange Kaliber (noch aus der Zeit, in der F.A. Lange in Dresden tätig war und als er in Glashütte noch keinen Aktivitäten entwickelt hatte), dann wird die Verwandtschaft deutlich: Dreiviertelplatine, Schraubenunruh, verschraubte Goldchatons und gravierter Unruhkloben.

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Lange war auch seit je her international orientiert. Das folgend gezeigte Taschenuhrwerk ist in englischer Sprache beschriftet.

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Doch zurück zur Lange 1. Von der Lange 1, als erste Entwicklung der Neuzeit, hing also viel ab für die Marke. Diese Uhr musste überzeugen. Und das hat sie. Anfangs ungewöhnlich im Design, so hat sich mittlerweile eine große Lange 1 Familie entwickelt, in der es von der „einfachen“ Lange 1 bis hin zum Tourbillon mit Ewigem Kalender alles gibt.

In diesem Artikel soll es um die Entwicklung eben dieser Lange 1 Familie gehen.

Alles begann, wie schon weiter oben dargestellt, im Jahr 1990. Walter Lange meldete die Marke A. Lange & Söhne wieder in Glashütte an. Dann, im Jahr 1994, brachte Lange die ersten vier Modelle heraus. Eines davon war die Lange 1, die anfänglich noch mit einem Gehäuseboden aus Gold kam. Wahlweise konnte man damals einen Glasboden haben.

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So schaut die Lange 1 mit einem Glasboden aus

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Etwas später kam eine kleine Lange 1 heraus, im Englischen die Little Lange 1 genannt. Mit ihren 36 mm Durchmesser (im Gegensatz zu dem 38,5 mm der Lange 1) war sie für die Damenwelt gedacht.

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Hier ist sie rechts im Bild, als Variante mit Mondphase zu sehen.

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Häufig ist sie mit Steinbesatz verziert oder mit Perlmutt- oder Soiree-Zifferblättern zu finden.

In 1998 lancierte A. Lange & Söhne eine auf 100 Uhren limitierte Sonderserie mit dem Namen „Lange 1A“, in Anlehnung an die besonders hochwertigen Kaliber in den Lange Taschenuhren, die den Zusatz „1A“ trugen

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Das Zifferblatt dieser besonderen Lange 1A ist von Hand guillochiert. Zudem ist die Hintergrundfarbe der Datumsanzeige goldfarben.

Bis zum Jahr 2000 tat sich also nicht viel in der Lange 1 Familie. Es gab unterschiedliche Zifferblattfarben, darunter auch ein wunderbares blau im Weißgoldgehäuse, und eben verschiedene Gehäusematerialien. Dann, im Jahr 2000, knackte Lange für die Lange 1 eine der schwierigsten Komplikationen: das Tourbillon

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Das Kaliber L 961.1 aus dem Lange 1 Tourbillon6

Lange ist ja erfreulicherweise sehr traditionsbewusst und so erschien dieses Tourbillon exakt 100 Jahre nach einem anderen Tourbillon, welches seinerzeit von A. Lange & Söhne, genauer von Emil Lange, dem zweitältesten Sohn von F.A. Lange, auf der Weltausstellung des Jahres 1900 in Paris präsentiert hatte.

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Auf der Vorderseite dieser wundervollen Taschenuhr mit Tourbillon aus dem Jahr 1900 wurde die Emaille-Miniatur „Minerva vor Paris“ angebracht.

Im Jahr 2002 dann ergänzten die Mannen in Glashütte die Lange 1 Familie mit der Lange 1 Mondphase.

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Dabei versieht diese Mondphasenanzeige von Lange ihren Dienst sehr genau. In 122 Jahren würde die Mondphasenanzeige um einen Tag abweichen, wenn man denn die Uhr durchgehend tragen würde

Das Kaliber L901.5 der Lange 1 Mondphase

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Im Jahr 2003 dann folgte die Große Lange 1, die mit knapp 41 mm dem Zeitgeist wie auch dem Trend nach größer werdenden Uhrengehäusen etwas mehr entgegen kam. Die Große Lange 1 kam auch in einer Sonderserie „Luna Mundi“ auf den Markt. Für die nördliche Hemisphere wurden Uhren im Weißgoldgehäuse hergestellt, für den südlichen Teil der Erde im Rotgoldgehäuse. Beide trugen zusätzlich eine Mondphasenanzeige und die Sternzeichen Kreuz des Südens und Großer Bär.

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Die unlimitierte Serienvariante der Großen Lange 1 ohne Mondphase sieht wie folgt aus

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Das Kaliber L901.2 der Großen Lange 1

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Zudem stellte Lange im Jahr 2003 die Lange 1 Luminous (nicht zu verwechseln mit der 2012 erschienenen Lange 1 Lumen) und die Große Lange 1 Luminous (41,9 mm Gehäusedurchmesser) vor. Beide Modelle hatten ein mit Leuchtmasse belegtes schwarzes Blatt und Zeiger

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Im Jahr 2005 dann folgte das wohl grösste Medienevent zur Einführung der Lange 1 Zeitzone, das sog Zeitzonen-Event. Hierzu reisten Lange Mitarbeiter rund um die Welt und per Live-Schaltung wurde die Präsentation der neuen Uhren zeitgleich veranstaltet.

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Das Werk der Lange 1 Zeitzone, das Kaliber L 031.1, ist auch ein Genuss

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Ca. 2009  kamen dann streng limitierte Editionen wie die Lange 1 Soiree und die Lange 1 Mondphase Soiree heraus. Diese Modelle zeigten ein kunstvoll graviertes Zifferblatt.

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(Quelle der letzten beiden Bilder: WatchingHorology.com)

Bis in das Jahr 2010 hinein gab es die Lange 1 nur als Handaufzugsuhr. In 2010 dann lancierte Lange die Lange 1 auch mit dem Automatik-Kaliber. Die Uhr heißt „Daymatic“ und zeigt zum Datum auch den Wochentag an.

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Das Kaliber L021.1 der Lange 1 Daymatic:

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Im direkten Vergleich zur normalen Lange 1 (links) zeigt sich die spiegelverkehrte Anordnung der Hilfszifferblätter und des Datums bei der Daymatic (rechts)

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Alle Varianten der Daymatic im Überblick

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Auch eine wunderbare Uhr von A. Lange & Söhne. Im selben Jahr, man feierte das 165 jährige Jubiläum der Marke, brachte Lange eine neue Version des Lange 1 Tourbillons in honigfarbenem Gold und graviertem Zifferblatt heraus

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Die Zehnerscheibe der Großdatumsanzeige ist transparent, damit sie das Tourbillon nicht verdeckt

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Das Werk (Kaliber L961.2) glänzt in einer einzigartigen Dekoration, die den Jubiläumsmodellen in Honiggold vorbehalten sind

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2012  dann kam das bislang komplizierteste Modell der Lange 1 Familie hinzu: das Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender

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Ein wahres Wunderwerk aus Glashütte! Nicht nur schön anzusehen, sondern auch technisch sehr ausgefeilt, das Kaliber L082.1!

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Die Grossen Lange 1 Lumen mit einem transparenten Zifferblatt und leuchtenden Zeigern erschien ebenfalls im Jahr 2012

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Und wenn es komplett dunkel ist:

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Die normale und die Lumen mal im Vergleich

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Die neue Große Lange 1 bekam auch ein modifiziertes Uhrwerk, das Kaliber L 095.1 bzw. L095.2 bei der Großen Lange 1 Lumen.

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Verfügte die alte Große Lange 1 (Kaliber L901.2) über ein nahezu identisches Uhrwerk wie die normale Lange 1, so wurde das Kaliber L095.1 /.2 konstruktiv verändert. Das Großdatum wurde z.B. etwas nach aussen verlegt.

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Bei der neuen Großen Lange 1 fällt die gefälligere Position des Großdatums im Vergleich zur im Jahr 2003 präsentierten Vorgängerin auf. Das Datum lag früher weiter innen. Die Proportionen der neuen Großen Lange 1 gefallen dem Auge besser.

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2013 folgte ein Sondermodell des Lange 1 Tourbillons Perpetual Calendar mit eine von Hand gravierten Zifferblatt

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Im Jahr 2014 folgte nun die Neuauflage der Lange 1 Mondphase als Große Lange 1 Mondphase

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Die Mondphasenanzeige sitzt bei diesem Modell nicht mehr im Hilfszifferblatt der kleinen Sekunde, sondern links im Hauptzifferblatt.

Hier ein Gruppenbild der Lange 1 Familie (Stand 2012)

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Die Lange 1 gibt es auch mit fest am Gehäuse angebrachtem Metallband

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Und noch eine  Anekdote, die unweigerlich zur Geschichte der Lange 1 gehört: A. Lange & Söhne hat eine Hand voll Lange 1-Uhren im Edelstahlgehäuse hergestellt. Diese Uhren waren als Serviceuhren für Kunden gedacht, die ihre eigene Lange-Uhr zur Revision gegeben hatten. Sie bekamen für die Zeit der Revision so eine Lange 1 in Edelstahl.

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Es fehle die bei den Edelmetallgehäusen üblichen Punzen auf dem Gehäuseboden.

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Das Problem war nur, dass die meisten Kunden ihre Lange 1 in Edelstahl nicht wieder hergeben wollten. Und so wurden die Uhren an die Kunden verkauft. Lange stellte diese Aktion kurz darauf ein. Heute sind diese Lange 1 in Edelstahl sehr wertvoll und tauchen ab und zu wieder bei Auktionen auf. Einzelstücke in Stahl gab es auch vom Datographen und vom Double Split.

Und auch Sondermodell gab und gibt es von der Lange 1, meist in kleinen Auflagen. Hier ein Beispiel einer Sonderedition für den deutschen Juwelier Hausmann. Die Uhr kam mit eine gravierten Stahlboden und mit einem Glasboden zum Wechseln

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Oder eine Lange 1 in Platin mit sehr speziellem Blatt

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Ein weiteres Sondermodell der Lange 1 Familie brachte Lange zum „Concorso d´ Eleganza 2014“ heraus. Es handelt sich um eine Lange 1 Zeitzone, die dem Gewinner 2014, Ralph Lauren, überreicht worden ist

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Der Bodendeckel ist nicht nur wunderbar (inkl. Tremblage-Gravur wie bei der Lange Zeitwerk Handwerkskunst) graviert

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Man kann ihn auch aufklappen, um das tolle Werk zu sehen

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Zum 20.Jubiläum der Lange 1 bringt die Manufaktur im Oktober 2014 fünf limitierte Uhrenpaare heraus, bestehend aus den Modellen LANGE 1 und KLEINE LANGE 1, mit guillochierten Zifferblättern aus Gold. Ausgestattet sind beide Modelle mit dem Lange-Manufakturkaliber L901.0. Ein schöner Zufall will es, dass das Werk so viele Teile hat wie das Jahr Tage – 365. Im Durchmesser unterscheiden sich beide Varianten: Bei der LANGE 1 sind es 38,5 Millimeter, bei der KLEINEN LANGE 1 nur 36,1 Millimeter. Die Lünette des Damenmodells ist mit 64 Diamanten im Brillantschliff besetzt.

Die Sets sind in den Gehäuse-Zifferblatt-Kombinationen Platin/Schwarz, Platin/Rhodié, Weißgold/Blau, Rotgold/Schwarz oder Rotgold/Argenté erhältlich. Diese fünf unterschiedlichen Sets der LANGE 1 „20th Anniversary“ sind auf jeweils 20 Exemplare limitiert – gekennzeichnet durch die Handgravur der Zahl „20“ auf dem Unruhkloben.

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Und noch ein neues Modell gab es zum 20. Jubiläum der Lange 1 im Jahr 2014: ein auf 20 Exemplare limitiertes Lange 1 Tourbillon im Platingehäuse mit schwarzem Blatt. Traumhaft schön!

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Im Jahr 2015, zwanzig Jahre nach der Lancierung der Lange 1, präsentierte A. Lange & Söhne dann auf dem SIHH in Genf eine grundüberholte Lange 1.

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Optisch nahezu unverändert (die Lünette ist etwas schmaler als bei den bisherigen Modellen) besticht die Uhr vor allem durch das neuen Kaliber L121.1

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Das neue Kaliber hat einen neue, größere Unruh aus eigenem Hause, was die Gangstabilität positiv beeinflusst. Also eher sanfte Evolution denn Revolution.

Erhältlich ist die neue Lange 1 vorerst in Gelb-, Weiß- und Rotgold

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Hier einige Bilder, die ich bei der Präsentation in Genf im Januar 2015 gemacht habe

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A. Lange & Söhne hat die Lange 1 sinnvoll weiter entwickelt und den Klassiker als solchen belassen. Toll gemacht!

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Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Geschichte der Lange 1 noch lange nicht vorbei ist. Von daher darf mit Spannung auf die folgenden Varianten gewartet werden, welche die Lange 1 Familie noch weiter wachsen und interessanter werden lässt.

Well done Lange!

A. Lange & Söhne – das Tourbillon

Wer sich für mechanische Uhren interessiert, der kennt auch den kleinen Wirbelwind, der bei den Tourbillons in ständiger Bewegung ist. Und als Uhrenmarke aller erster Güte hat auch A. Lange & Söhne Tourbillons im aktuellen Angebot.

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Der Mechanismus des Tourbillons gilt als hohe Kunst der Uhrmacherei. Wenn auch das Tourbillon vom eigentlichen Sinn her heute bei Armbanduhren keinen wirklichen Nutzen mehr bringt so zeigt so ein Mechanismus doch die Leistungsfähigkeit einer Uhrenmarke.

Tourbillons wurden ursprünglich in Taschenuhren eingebaut. Eine Taschenuhr steckte ja meist in einer speziell für diesen Zweck gedachten Tasche der Weste eines Anzugs. Und dies immer in der gleichen Position. Keine normale mechanische Uhr der Welt zeigt in eine und der selben Position (Lage) einen möglichst genauen Gang. Bei einer Armbanduhr wird das kompensiert durch die Bewegung des Arms. So ändert sich auch die Lage der Unruh ständig und die verschiedenen Lagen gleichen sich aus. Eine Taschenuhr kennt die meiste Zeit des Tages nur eine Lage, nämlich die Aufrechte in der Weste. Wenn sich nun die Unruh an sich dreht, dann gleichen sich auch bei einer Taschenuhr die Lagen aus und die Uhr bekommt einen genauen, gleichmässigen Gang.

Und so verfügt auch A. Lange & Söhne seit weit mehr als einhundert Jahren über fundierte Erfahrungen beim Bau von Tourbillons. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 1899

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Und noch eines aus dem Jahr 1909

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Diese Taschenuhr mit Tourbillon aus dem Jahr 1900 wurde seinerzeit von Emil Lange, dem zweitältesten Sohn von Ferdinand Adolph Lange, auf der Pariser Weltausstellung präsentiert. Auf der Vorderseite findet sich die Emaille-Miniatur „Minerva vor Paris“

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Exakt 100 Jahre später präsentierte A. Lange & Söhne das erste Tourbillon in der Lange 1 Familie.

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Vergleicht man den Mechanismus von vor über 100 Jahren

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mit dem heutigen

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dann stellt man fest, das man bei A. Lange & Söhne nach dem Neustart im Jahr 1994 das Rad nicht neu erfunden hat, sondern sich dem alten Wissen folgend der Optimierung eines bestehenden und bewährten Mechanismus hingegeben hat.

Hier noch einige Beispiele für die alten Tourbillons aus den Taschenuhren von A. Lange & Söhne

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Nun wäre A. Lange & Söhne nicht A. Lange & Söhne, wenn man diesen faszinierenden Mechanismus nicht auch noch besser machen könnte. Und so fügte man zu diesem, aus 69 Teilen bestehenden und ein halbes Gramm wiegenden Wunderwerk im Laufe der Zeit, genauer gesagt im Jahr 2008 einen Sekundenstopp hinzu, weltweit erstmalig übrigens. Denn so ein Sekundenstopp bei einem Tourbillon ist gar nicht so einfach zu konstruieren. Bei Lange erdachte man Stoppfedern, die sich aussen an den Unruh-Reif legen und die Unruh somit bremsen, sobald man die Krone zieht:

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Die Stoppfedern sind links oben, auf etwa 10 Uhr ,zu erkennen sind. Der gestrichelt dargestellte Zustand ist der, wenn  sich die Krone wieder in der Nullposition befindet und die Uhr läuft. Rechts oben am Bildrand sieht man die Welle der Aufzugskrone.

Beim Stoppen der Unruh durch die Federn bleibt die in der Spirale gespeicherte Energie erhalten und so kann die Uhr problemlos wieder starten, sobald die Krone wieder zurück in die Nullposition gedrückt wird.

Hier noch mal eine der Federn an der Unruh

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Anhand eines Modells kann man die Funktion der Federn (links oben) noch mal schön erkennen. Im folgenden Bild würde die Uhr laufen

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Und jetzt würde die Krone gezogen und die Uhr gestoppt

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Damit aber nicht genug. Wann zieht man denn die Krone einer Uhr? Richtig! Wenn man sie einstellen will. Und das funktioniert am besten, wenn der Sekundenzeiger „auf Null“ steht. Daher entwickelte man bei A. Lange & Söhne den oben genannten Mechanismus weiter und ergänzte ihn bei der „1815 Tourbillon“ im Jahr 2013 um einen Nullstellmechanismus.

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In der obigen Darstellung ist sowohl der Sekundenstopp- (rechts) als auch der Nullstellmechanismus (links) weiß dargestellt. Beim Nullstellmeschanismus drückt, beim Ziehen der Krone, zusätzlich ein Hebel auf ein an der Welle der Unruh angebrachtes Nullstellherz und stellt den Sekundenzeiger auf Null. Man kennt ähnliche Mechanismen von Chronographen. Hier nun Nullstellhebel und Nullstellherz im Detail

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Und das ist die Uhr in der Gesamtansicht

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Hier die Funktion noch mal die Funktion im Detail. Der Nullstellhebel steht hoch, die Uhr läuft

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Jetzt wird die Krone gezogen und die Uhr steht. Dabei springt der Sekundenzeiger auf „Null“.

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So wurde das Tourbillon in allen seinen Einzelteilen auf dem Genfer Salon 2014 gezeigt

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Man sieht also, dass in diesem kleinen, unscheinbaren Mechanismus eine Menge Aufwand aber auch Faszination steckt.

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Der Deckstein im obigen Bild ist übrigens ein Diamant.

Und die Spiralfedern werden ebenfalls bei Lange selber hergestellt. Auch das ist ganz große Kunst. Und eine andere Geschichte…!

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Folgend einige der wunderbaren Zeitmesser von A. Lange & Söhne, in denen ein Tourbillon seinen Dienst versieht

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Und bei manchem Tourbillon von A. Lange & Söhne erkennt man gar nicht von vorne herein, dass in der Uhr dieser tolle Mechanismus zu finden ist

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Das war es für jetzt zum Thema Tourbillon bei Lange. Aber so, wie ich diese Marke kenne wird man eines Tages wieder eine tolle Innovation zum Tourbillon hinzu fügen. Mal schauen, was da noch so präsentiert wird.

A. Lange & Söhne – Richard Lange Tourbillon Pour Le Merite

Die Geschichte von A. Lange & Söhne ist untrennbar mit verschiedenen, in den Jahren entstandenen mechanischen Wunderwerken wie der Taschenuhr No. 42500, dem Tourbograph Pour Le Merite oder der Grande Complication Ref. 1902 verbunden. Ebenso aber auch mit Persönlichkeiten wie Ferdinand Adolph Lange, Walter Lange oder zuletzt Günther Blümlein. Das Schöne bei A. Lange & Söhne ist, dass die Geschichte nicht nur ein nützliches Hilfsmittel des Marketing ist, sondern auch wirklich Einfluss auf Marke und Modelle hat. Technisch ebenso wie auch sonst. Getreu dem Motto „Tradition – Neuester Stand“.

Richard Lange, der älteste Sohn von Ferdinand Adolph Lange wurde 1845, also in dem Jahr der Gründung der Firma A. Lange in Glashütte geboren und trat 1868 in die Firma des Vaters ein, die seit diesem Zeitpunkt den Namen A. Lange & Söhne trägt.

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Richard Lange war genial. So einfach kann man das auf den Punkt bringen. Der man entwickelte einige Technologien und Materialien, die noch heute in der Uhrenindustrie genutzt werden. So meldete er z.B. im Jahr 1930  ein Patent mit der Nummer DE 529945 an, welches eine „Metalllegierung für Uhrenfedern mit Berylliumzusatz für mehr Elastizität und Härte“. Somit gilt Richard Lange als geistiger Vater der Nivarox-Spirale. Wer kennt sie nicht?

Aus  diesem Grund benennt A. Lange & Söhne seine hoch komplexen Uhrenspezialitäten nach dem höchsten deutschen Verdienstordens des damaligen Deutschland, „Pour Le Merite“ , der für herausragende Dienste im Bereich Wissenschaft und Kultur vergeben worden ist.

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Peter Chong, ein Lange-Enthusiast aus Singapur, hat ein ganzen Buch über die Uhren aus dem Hause A. Lange & Söhne geschrieben, die den Namenszusatz „Pour Le Merite“ tragen. Höchst interessant und lesenswert!

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Neben anderen Komplikationen vereint die Uhren aus der „Pour Le Merite“-Reihe von A. Lange & Söhne ein Merkmal: die Kraftübertragung über Kette und Schnecke, wie sie schon frühe Beobachtungsuhren aufwiesen.

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Auf die genaue Funktionsweise komme ich später noch eingehend zurück.

Bei manchen Uhren, auch von A. Lange & Söhne, bietet es sich an, sich nicht nur an optischen Merkmalen zu orientieren und das Gefallen daran festzumachen. Manche dieser hochkomplexen Uhren, egal von welcher Marke, sind von gewöhnungsbedürftiger Optik. Die Faszination erschließt sich erst bei Kenntnis der technischen und technologischen Besonderheiten. Was würde man das versäumen, wenn man sich rein vom ersten, optischen Eindruck abschrecken lassen würde?!

Sö ähnlich ging es mir beim ersten Anblick der Richard Lange Tourbillon Pour Le Merite.

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Das durchaus eigenständige Design dieses Modelle erklärt sich aber schnell, wenn man die Ursprünge dieser Uhr kennt. Lange nahm hier das Design der Tascheuhr No. 93 von Johann Heinrich Seyffert aus dem Jahr 1807

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Im Folgenden Bild sieht man Vorbild und die Umsetzung von A. Lange & Söhne nebeneinander

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Da es sich bei der Armbanduhr von A. Lange & Söhne um ein Tourbillon handelt und man in Glashütte einen möglichst offenen Blick auf diesen faszinierenden Mechanismus geben wollte hat man, im Gegensatz zum historischen Vorbild, einen Durchbruch im Zifferblatt geschaffen, der es aber auch technisch in sich hat.

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Um die Stunden exakt ablesen zu können schwenkt exakt um 6 Uhr ein zusätzlicher Teil des Zifferblattes in den Zifferblattdurchbruch (siehe Bild oben). Exakt um 12 Uhr schwenkt er wieder zurück und der komplette Blick auf das Tourbillon ist wieder für sechs Stunden frei (siehe das folgende Bild)

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Exakt um Zwölf, man beobachte den Stundenzeiger, schwenkt das Zusatz-Zifferblatt zurück und gibt den Blick frei auf einen Teil des Uhrwerkes samt Tourbillon…

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… um dann, sechs Stunden später, um sechs Uhr wieder einzuschwenken und die Stunden auch im Bereich des Durchbruches gut ablesbar zu halten. Und so geht das im Wechselspiel alle sechs Stunden.

 

 

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Alleine dieser pfiffige Mechanismus macht diese Uhr höchst interessant. Aber dieses Modell hat noch wesentlich mehr zu bieten. Im Lange Kaliber L072.1 mit 351 Einzelteilen (ohne die Teile der Kette; s.u.) und 32 Lagersteinen versieht, wie schon erwähnt, auch ein Tourbillon und eine Kraftübertragung vom Federhaus zum Räderwerk über Kette und Schnecke seinen Dienst.

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Das Tourbillon ist ein Kapitel für sich und daher klammere ich dieses an dieser Stelle mal aus. Hier möchte ich mich auf den Antrieb per Kette und Schnecke konzentrieren, dem Merkmal aller Uhren von A. Lange & Söhne mit dem Namenszusatz „Pour Le Merite“.

Sinn und Zweck der Kraftübertragung vom Federhaus, in welchem die Energie für den Gang der Uhr gespeichert ist, zum Räderwerk, über welches die Zeit gemessen und angezeigt wird,  über eine Kette und Schnecke ist ein möglichst konstanter Kraftfluss. Nur dieser stellt ein sehr genaues Gangverhalten der Uhr sicher.

Eine Feder eines Federhauses, aufgezogen über die Krone bei Handaufzugsuhren oder über den automatischen Aufzug bei Automatik-Uhren, entspannt sich und gibt ihre Kraft ungleichmässig ab. Am Anfang, wenn die Feder voll gespannt ist, wird mehr Kraft abgegeben, bei entspannter Feder wird weniger Kraft abgegeben. Das folgende Diagramm stellt den Verlauf des Drehmoments dar.

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Die Kraftübertragung über Kette und Schnecke wurde bereits bei frühen Beobachtungsuhren z.B. auf Schiffen genutzt, um einen möglichst präzisen Gang der Uhr sicherstellen zu können.

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Der komplette Mechanismus, den A. Lange & Söhne nutzt, sieht so aus:

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Vereinfacht ausgedrückt nutzt diese Kraftübertragung die Hebelgesetze aus. Das Federhaus ist in obigem Bild die rechte, zylindrische Trommel. Links davon sieht, über die Kette verbunden, die Schnecke. Die Schnecke weist in ihrem Umlauf verschiedene Durchmesser auf. Wenn das Federhaus voll gespannt ist, dann liegt die Kette am kleinste Umfang der Schnecke an. Folglich steht dem großen Drehmoment der Feder ein kleiner Hebel an der Schnecke gegenüber. Läuft das Federhaus ab, so sinkt auch das Drehmoment und ausgeglichen wird dies durch einen größeren Hebel (=größerer Durchmesser des Umlaufes an der Schnecke) gegenüber. Ergo ist die Kraft, die über die Schnecke an das Räderwerk abgegeben wird immer nahezu gleich groß und der Gang der Uhr folglich auch gleich präzise.

Die Kette alleine besteht aus 636 Teilen, hier einige der Einzelteile:

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Sie ist 24 Zentimeter lang, 0,6 mm hoch und 0,3 mm breit. Die Uhr verfügt über eine Blockierung vor maximalen Aufzug und vor vollständigem Ablauf. D.h. bevor das Federhaus komplett abgelaufen ist wird die Uhr angehalten. Ebenso über einenSekundenstopp für das Tourbillon und über einen Vorspannmechanismus am Federhaus.

Hier die Kette im Uhrwerk:

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Links oben ist ein Teil des Mechanismus der Blockierung vor maximalem Aufzug zu sehen

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Dieser Mechanismus funktioniert wie folgt: beim Aufziehen des Federhauses wickelt sich die Kette um die Schnecke, und zwar in Richtung der kleineren Windungen (im Bild also nach unten). Dabei drückt die Kette auf die gelb gefärbte Arretierwippe. Diese Wippe bewegt den blau eingefärbten Arretierhebel, der wiederum den rosa eingefärbten Arretierzahn, welcher dass in das Sperrrad greift und einen weiteren Aufzug verhindert. An der Kette befindet sich ein sog. Abschaltniet (der rote Punkt unten an der Kette kurz vor der Arretierwippe). Wenn dieser Abschaltniet auf die Arretierwippe aufläuft, dann drückt er diese im Bild nach unten. Die Wippe bewegt den Arretierhebel und dieser den Arretierzahn, der in das Sperrrad greift. Läuft das Federhaus nun ab, so wandert der Arretierniet der Kette wieder von der Arretierwippe weg in Ri. Federhaus und auch die Kette wandert auf dem Bild auf der Schnecke wieder nach oben. Damit werden Arrtierwippe, – hebel und -zahn wieder per Federkraft zurückgestellt und geben das Sperrrad wieder frei. Dann kann wieder aufgezogen werden.

Exkurs:

Bei der Lange 31, einer Armbanduhr mit 31 Tagen Gangreserve nutzt Lange einen anderen Mechanismus namens Nachspannwerk, der aber das gleiche bewirkt wie der Antrieb über Kette und Schnecke.

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Aber das ist wieder ein ganz eigenes Thema für sich und einen eigenen Artikel wert!

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Die Blockierung vor dem Vollständigen Ablauf des Federhauses wird wie folgt bewerkstelligt:

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Der lange Stopphebel (hellblau) greift am Gangreserverad oben in eine Art Kurvenscheibe (nicht zu sehen, da sie unter dem Gangreserverad liegt). Nach einer fest definierten Zeit der Gangreserve fällt das kürzere Ende des Hebels (oben am Gangreserverad, der Drehpunkt des Hebels ist die Schraube bei etwa 11 Uhr) in eine Aussparung. Der lange Arm des Stopphebels schwenkt aus und fällt  gegen den gelben, spitz zulaufenden Finger, der auf der Sekundenradwelle sitzt. Sobald der Finger den Stopphebel triff, wird das Uhrwerk angehalten.  Allerdings so, dass der Sekundenzeiger exakt in Nullposition stehen bleibt. Sehr praktisch beim wieder in Betrieb nehmen und Einstellen der Uhr!

Ein weiterer toller und patentierter Mechanismus von A. Lange ist der Sekundenstopp für ein Tourbillon (Bild siehe unten). Die Funktionsweise erklärt sich eigentlich am Bild. rechts im Bild die die Welle der Aufzugs- und Stellkrone. Interessant hieran ist, dass die Unruh über zwei Stoppfedern gebremst wird.

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Nun noch ein paar Impressionen der Richard Lange Tourbillon Pour Le Merite, die mit ihren 41,9 mm im Durchmesser und 12,2 mm in der Höhe wohl proportioniert ist.

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Von der Richard Lange Tourbillon Pour Le Merite gab es auch eine kleine Sonderedition mit dem Namen „Handwerkskunst“, limitiert auf 15 Exemplare:

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Das Zifferblatt wurde aus honigfarbenem Gold, ebenso wie das Gehäuse, hergestellt und mittels Tremblage, einer aufwändigen Gravurtechnik, von Hand verziert. Dabei wird der Fadenstichel in schaukelnden Bewegungen in acht verschiedenen Richtungen über das Zifferblatt bewegt, bis dieses gleichmässige Muster entstanden ist.

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Das Uhrwerk ist auch etwas intensiver verziert als bei der „normalen“ Version, es zeigt auf der Dreiviertelplatine den Glashütter Sonnenschliff.

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Wieder einmal eine tolle und innovative Uhr von A. Lange & Söhne, die mehr innere Werte besitzt, als man von aussen auf den ersten Blick erkennen kann. Es lohnt sich also, auch mal hinter die Kulissen zu blicken.

In diesem Sinne!

(Quelle aller Bilder: A. Lange & Söhne)

Lange´s Wunderwerk

Als bekennender Fan der Marke A. Lange & Söhne kommt man nicht umhin, sich auch mit der Historie der Marken zu beschäftigen. Denn das ist der Geist der Marke, den man noch heute in den  Ateliers in Glashütte und auch in den aktuellen Uhren spüren und erkennen kann.

Und die Geschichte von A. Lange & Söhne ist unausweichlich mit Taschenuhren verbunden. Ein ganz besonderes Stück trägt die Seriennummer 42500. Es ist nicht weniger als die komplizierteste Uhr, die A. Lange & Söhne vor dem Neustart im Jahr 1994 angefertigt hat.fhhmag_slideshow_003406-001

Knapp 100 Jahre war diese Uhr nach ihrer Auslieferung nach Wien verschwunden. Doch dann tauchte sie überraschend und auf bemerkenswerte Art und Weise wieder auf.

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Erschaffen wurde dieses Kunstwerk in den Jahren vor 1902. Wie lange man insgesamt gebraucht hat ist nicht überliefert. Der Besitzer, ein Heinrich Schäfer aus Wien, holte diese Uhr mit der Nummer 42500 im August 1902 persönlich in Glashütte ab. Er zahlte damals 5600 Goldmark, was in etwa dem Wert eine prachtvollen Villa in Dresden oder dem Fünffachen des Jahresgehalts eine Lehrers entsprach. Hier der entsprechende Eintrag im Stammbuch von A. Lange & Söhne:

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Was mit der Uhr in der folgenden Zeit passiert ist kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Die Geschichte der 42500 geht am 20. September 2001 weiter. Ein Ehepaar aus München besucht die Manufaktur von A. Lange & Söhne und übergibt eben diese Taschenuhr an die Mitarbeiter des Hauses der Begutachtung. Ihre alte Nachbarin hatte ihnen diese Uhr mitgegeben, ob eine Reparatur überhaupt noch lohnen würde. Offenbar hatte diese ältere Dame vor dem zweiten Weltkrieg den Haushalt eines vornehmen Hauses geführt und am Ende dieser Tätigkeit als Dank diese Uhr geschenkt bekommen. Sie funktionierte damals schon nicht mehr, aber die Dame des Hauses sagte ihrer Haushälterin, dass die Uhr ja zumindest den Goldpreis wert sei. Danach lagerte die Uhr, eingepackt in eine Kiste, etwas über ein halbes Jahrhundert im Keller der alten Dame aus München. Am 21. September 2001 bekam dann Jan Silva, bei Lange u.a. für die Restauration alter Taschenuhren zuständig, die 42500 in die Hände und die Geschichte dieser hochkomplexen Uhr fand mit der umfassenden Restauration eine Fortsetzung, nachdem man die rechtlichen Aspekte geklärt hatte und die Besitzerin der Uhr zugestimmt hatte. Wie besonders das Auftauchen dieser Uhr war zeigt sich auch in der Reaktion von Herrn Reichel, dem Leiter des Glashütter Uhrenmuseums, in dem die Stammbücher des Hauses A. Lange & Söhne verwahrt werden. Er konnte es kaum fassen!

Die Restauration

Von der Vorderseite betrachtet fand Jan Silva eine fast makellose Uhr vor.

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Auch das Gehäuse war in gutem Zustand. Lediglich die Funktionen der Uhr waren nicht in Gang zu setzen. Und offenbar fehlte auch der Schleppzeiger des Chronographen wie auch das Uhrglas. Zifferblatt und restliche Zeiger waren in ausgesprochen gutem Zustand.

Die Rückseite der Uhr hielt dann aber doch eine Überraschung bereit, die Jan Silva sicher nicht mal befürchtet hatte. Dass eine so alte Uhr inkl. dem Uhrwerk ohne je statt gefundene Restauration nicht im besten Zustand ist war ja zu erwarten.

So sollte die Uhr eigentlich im Inneren aussehen, wenn der Zustand optimal ist.

 

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Doch dann kam der Schock. So sah die Uhr im Inneren tatsächlich aus.

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Ein Gemisch aus Schmutz, Rostblüten und altem Schmiermittel verklebt und verbacken mit den Uhrwerkteilen. Manche Teile hatten sich bereits im Rost aufgelöst. Vor allem die Teile des Chronographen waren zerstört.

Einige Detailaufnahmen:

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Der Schock saß tief. Die veranschlagte Zeit für die Restauration belief sich auf mehrere Jahre. Doch wie sollte man ein solches Meisterwerk restaurieren? Mit modernen Hilfsmitteln oder nach alter Art, alles von Hand hergestellt? Sollten alle Funktionen wieder hergestellt werden? Und wie geht man mit den noch zu gebrauchenden Originalteilen um? Erneuert man die Schliffe, auch wenn man damit den Charme der Uhr zerstört? Fragen über Fragen, die dann aber ein jehes Ende nahmen. Im August 2002, exakt 110 Jahre nach dem Verkauf der 42500, erreichten die Fluten des Jahrhunderthochwassers auch die Stadt Glashütte und durchspülten bei A. Lange & Söhne auch das Kellergeschoss, in dem der Tresor stand. Gott sei Dank lagerte die 42500 im Dachgeschoß. Aber andere historische Taschenuhren, manche bereits restauriert, wurden Opfer des Hochwassers. Und diesen galt in den nächsten zwölf Monaten das Hauptaugenmerk. Erst danach, im Jahr 2003, konnte die Restauration der 42500 beginnen. Jan Silva und sein Team hatten eine Aufgabe vor sich, die größer und anspruchsvoller nicht hätte sein können! Und dessen war man sich mehr als bewusst!

In Insgesamt über 5000 Arbeitsstunden würde die Uhr wieder zu dem, was sie schon einmal war: zu einem funktionierenden Kleinod und zu einem lebendigen, funktionstüchtigen Teil der eindrucksvollen Geschichte der Marke A. Lange & Söhne.

Man fand den schmalen Grat, alte Teile in ihrem originalen Charme zu erhalten, auch wenn sie nicht der Perfektion entsprachen, zu der man heute  im Stande ist. Diejenigen Teile, die neu anzufertigen waren hat man mit modernsten Methoden, streng am Original, aber optimiert mit Blick auf die Funktion, hergestellt.

Die Uhr besteht aus 833 Einzelteilen (alles, was sich abschrauben lässt) und alleine das Werk wiegt über 100 Gramm

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Die ersetzten Teile wurde auf der jeweiligen Unterseite mit „fecit 2004“ markiert, so dass man später ursprüngliche Originalteile und neue Teile auseinander halten kann.

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Das oben gezeigte Bild zeigt das Uhrwerk nach der Restauration. Das folgende Bild zeigt alle Einzelteile der Uhr und parallel dazu (jeweils darüber, etwas dunkler in der Anmutung) die neu angefertigten Teile

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Die Restauration dauerte von 2003 bis Ende 2006, also mehr als drei Jahre. Es mussten im Zuge der Restauration nicht nur neue Teile angefertigt, sondern meist auch Werkzeuge, Formen und Verfahren entwickelt werden. Eine riesige, höchst respektable Herausforderung, der man sich bei A. Lange & Söhne gestellt hat.

Die Gravur des Gehäuses wurde nach einem Entwurf von Professor Carl Ludwig Theodor Graff ausgeführt. Prof. Graff war seinerzeit der Direktor der Königlich Sächsischen Kunstgewerbeschule in Dresden und gewann im Jahr 1890 einen Wettbewerb, den Johannes Dürrstein ausgeschrieben hatte. Ziel dieses Wettbewerbes war die moderne, zeitgemässe Gestaltung von Taschenuhrgehäusen. Dürrstein war zudem damals der Generalvertreter für A. Lange.

Auf der Vorderseite zeigt das Gehäuse im Zentrum den Kopf der Göttin Minerva (hier eine Reproduktion auf dem Einband einer Monografie, die ich weiter unten erwähne).

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Und hier das Original

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Zu sehen sind die typischen Füllhörner, schnäbelnden Vogelpaare und floralen Elemente. Graf arbeitet auch mit Gottfried Semper zusammen und an der Frauenkirche wie auch am Schloss Albrechtsburg mit.

Die Rückseite der Uhr trägt in der Mitte das Monogramm „GS“.

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Ein weiteres Beispiel für die Gestaltung einer Taschenuhr von A. Lange & Söhne nach Prof. Graff.

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Der Prozess der Restauration war auch für A. Lange & Söhne so ungewöhnlich, dass man anlässlich dieses Mammutprojektes eine sehr schön gestaltete  Monografie herausgegeben hat

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In selbiger ist die Uhr, ihre Geschichte wie auch Restauration, aber auch die Funktionen genau beschrieben. Ein ganz tolle Bereicherung für eine jede Bibliothek!

A. Lange & Söhne nahm die Taschenuhr 42500 auch als Thema auf und baute eine technisch zwar anders konstruierte, optisch aber sehr ähnliche Grande Complication als Armbanduhr

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Als Vergleich noch mal die 42500

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Auch die Rückansichten sind ähnlich

neu

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und historisch

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Exakt das macht für mich den Reiz der Marke A. Lange & Söhne aus.

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Auf den Punkt gebracht wurde es mit dem Titel der Lange Kataloge, die alljährlich erscheinen: Tradition – Neuester Stand.

Well done A. Lange & Söhne!